Format-Vergleich

PNG: Wann das Format wirklich die richtige Wahl ist

PNG ist verlustfrei, aber nicht universell sinnvoll. Hier steht, für welche Motive PNG die kleinste Datei liefert und wann der Wechsel zu JPEG oder WebP der bessere Schritt ist.

PNG bekommt regelmäßig zwei sehr gegensätzliche Beschreibungen. Die eine: „PNG ist das beste Format für alles, weil verlustfrei.” Die andere: „PNG ist zu groß, nimm immer JPEG.” Beide sind falsch. PNG ist die richtige Wahl für eine konkrete Klasse von Bildern, und für genau diese gibt es kein besseres Standard-Format. Wer den Trade-off einmal versteht, trifft die Wahl nicht mehr aus Gewohnheit.

Wofür PNG gebaut wurde

PNG entstand Mitte der 90er Jahre als Antwort auf Patent-Streitigkeiten rund um GIF. Das Designziel war ein verlustfreies Bildformat mit kleinerer Datei als BMP und TIFF, voll-skaliertem Alpha-Kanal und Bibliotheks-freier Implementierbarkeit. Der entscheidende technische Schritt: vor der eigentlichen Deflate-Kompression läuft ein Filter über jeden Pixel, der die Differenz zu Nachbarpixeln berechnet. Bei großen Farbflächen sind diese Differenzen oft Null, und Nullen lassen sich brutal effizient packen.

Genau hier liegt der Schlüssel: PNG ist dann klein, wenn das Motiv lokale Vorhersagbarkeit hat. Ein Logo mit drei Farben, klaren Kanten und konstanten Flächen ist für die Filter ein Geschenk. Ein hochauflösendes Foto mit Mikrokontrast in jedem Pixel ist das Gegenteil, weil dort jede Differenz wieder eine eigene Zahl ist.

Wann PNG die kleinste Datei liefert

Drei Klassen von Bildern, bei denen PNG fast immer gewinnt:

Logos und einfache Grafiken. Wenige Farben, klare Kanten, große konstante Flächen. Ein typisches Firmenlogo bei 800x800 Pixeln kommt in PNG auf 8 bis 25 KB. Dasselbe als JPEG mit Quality 80 wäre 35 bis 60 KB und hätte sichtbare Artefakte rund um die Buchstaben.

Screenshots. Software-Oberflächen haben strikt rechteckige Bereiche, harte Übergänge zwischen UI-Elementen, viel weißen Hintergrund. PNG packt das effizient. Ein 1920x1080 Screenshot kommt auf 60 bis 200 KB, je nach Inhalt. Dasselbe als JPEG würde Quality 95 brauchen, um den Text scharf zu halten, und wäre dann mit 250 bis 400 KB größer.

Bilder mit Transparenz. JPEG kann kein Alpha. Punkt. Wer ein Bild mit transparentem Hintergrund braucht, hat als verlustfreie Option nur PNG (oder WebP-Lossless). Klassische Anwendung: Produktfotos auf weißem Hintergrund, die in unterschiedlichen Layouts platziert werden sollen.

Wann PNG die schlechtere Wahl ist

Drei Klassen, in denen PNG vermieden gehört:

Klassische Fotos. Landschaft, Porträt, Lifestyle. PNG ist hier drei- bis zehnmal größer als ein gut komprimiertes JPEG. Der Verlust von hochfrequentem Detail durch JPEG-Komprimierung ist bei diesen Motiven nicht sichtbar, der Größengewinn dramatisch.

Komplexe Illustrationen mit Verläufen. Glatte Farbverläufe sind für PNG-Filter schwierig, weil jede Pixeldifferenz minimal aber nicht null ist. Hier liefert WebP-Lossy oder JPEG die deutlich kleinere Datei, ohne Qualitätsverlust beim Auge.

E-Mail-Versand und Messenger. Mailclients und Messenger reichen PNG meist durch, aber Outlook 2019 und älter zeigen alpha-transparente PNGs teilweise mit grauem statt weißem Hintergrund. Für E-Mail-Anhänge sind weiß-hinterlegte JPEGs robuster.

PNG-8 versus PNG-24

PNG hat zwei wichtige Subtypen, die oft verwechselt werden:

PNG-8 nutzt eine indexierte Palette von maximal 256 Farben. Die meisten Logos brauchen nicht mehr. Vorteil: deutlich kleinere Datei. Anwendung: einfache Logos, monochrome Symbole, einfache UI-Elemente.

PNG-24 speichert RGB mit 8 Bit pro Kanal, optional plus 8 Bit Alpha (das macht es technisch zu PNG-32). Pflicht für Bilder mit mehr als 256 Farben oder mit voll skaliertem Alpha. Anwendung: komplexe Logos mit Farbverläufen, Screenshots mit vielen Farben, Produktfotos mit Transparenz.

Beim Export aus Photoshop oder GIMP lohnt es sich, den Export-Dialog genau anzusehen. Viele Tools exportieren standardmäßig PNG-24, auch wenn das Motiv mit PNG-8 auskäme. Eine bewusste Wahl spart bei einfachen Grafiken oft 60 bis 80 Prozent Dateigröße.

Was die PNG-Optimierung tatsächlich tut

Wenn der Kompressor ein PNG verarbeitet, läuft kein Lossy-Schritt. Stattdessen werden drei Hebel durchprobiert:

  1. Filter-Wahl pro Zeile. PNG erlaubt fünf Filter (None, Sub, Up, Average, Paeth), und der Optimierer wählt pro Bildzeile den, der die kleinste Differenz-Reihe erzeugt. Viele schnelle Encoder nehmen einfach Paeth global. Bessere Encoder probieren alle fünf durch und wählen den jeweils besten.

  2. Deflate-Stufe. Die Deflate-Komprimierung selbst hat 0 bis 9 Stufen. Stufe 9 ist langsamer beim Encoding, liefert oft 1 bis 3 Prozent kleinere Datei. Beim Server-Side-Optimieren lohnt es sich, beim Browser-Tool ist es ein Trade-off mit der Wartezeit.

  3. Chunk-Streichung. PNG-Dateien enthalten neben den Bilddaten optionale Chunks: Color-Profile (iCCP), Text-Metadaten (iTXt, tEXt), Modifikations-Zeitstempel (tIME). Für Web-Output sind die meisten überflüssig. Streichen spart 1 bis 8 KB pro Datei.

Für ein typisches PNG aus Photoshop bringen diese drei Schritte zusammen 10 bis 25 Prozent Einsparung, ohne dass ein einziges Pixel verändert wird. Das ist die Magie der verlustfreien Optimierung: das Original-Bild kommt bit-genau wieder heraus, nur kleiner verpackt.

Eine ehrliche Faustregel

Wer keinen Format-Dialog ausdiskutieren will, kommt mit drei Sätzen durch:

  • Foto? JPEG. Quality 78-82.
  • Logo, Screenshot, Symbol, oder Transparenz nötig? PNG. Optimiert.
  • Wer 30 Prozent mehr will und ein modernes Browser-Publikum hat? WebP mit Fallback auf JPEG bzw. PNG.

Damit sind 95 Prozent aller Bild-Entscheidungen vom Tisch. Den Rest darf man bewusst entscheiden, und dafür hilft es zu wissen, was hinter den Format-Wahlen technisch passiert.

Häufige Fragen

Ist PNG-8 dasselbe wie GIF?
Beide nutzen indexierte Farben (Palette von maximal 256 Einträgen) und beide sind verlustfrei. Der Unterschied: PNG-8 nutzt Deflate-Kompression (deutlich effizienter als die LZW-Variante von GIF), unterstützt voll-skalierten Alpha-Kanal pro Palette-Eintrag und keine Animation. Für ein statisches Logo mit wenigen Farben ist PNG-8 fast immer die kleinere Datei.
Warum ist mein PNG so viel größer als ein vergleichbares JPEG?
Weil PNG verlustfrei arbeitet und alle Bilddetails behalten muss. Bei einem typischen Foto mit Millionen feiner Farbnuancen kann PNG die Pixeldifferenzen kaum effizient packen. JPEG darf hochfrequente Details verwerfen und kommt deshalb auf 20 bis 30 Prozent der PNG-Größe bei gleicher Wahrnehmungsqualität.
Hilft das Komprimierungs-Tool noch, wenn das PNG schon mal optimiert wurde?
Oft ja, weil viele Export-Tools nicht alle PNG-Optimierungen anwenden. Der Optimierer probiert verschiedene Filter (None, Sub, Up, Average, Paeth) und Deflate-Stufen durch, plus das Streichen unbenutzter Palette-Einträge und überflüssiger Chunks. 10 bis 25 Prozent Einsparung sind bei Standard-Exports normal.
Was sind diese 'iCCP'- und 'iTXt'-Warnungen, die manche Tools bei PNG anzeigen?
Das sind PNG-Chunks für Color-Profiles und Text-Metadaten. Sie sind technisch korrekt, aber selten nötig für Web-Bilder. Manche Optimierer warnen, weil das Color-Profile auf manchen Plattformen zu Farbverschiebungen führen kann. Für Web-PNGs lohnt es sich, beide zu entfernen, das spart einige Kilobyte.
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Quellen

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