Grundlagen
Lossy oder lossless: Wann komprimiert man verlustfrei, wann nicht?
Verlustbehaftete und verlustfreie Komprimierung schauen am Ergebnis ähnlich aus, machen aber technisch das Gegenteil. Hier steht, wann was sinnvoll ist, mit konkreten Größenvergleichen.
Ein Foto landet im Kompressor, du drückst die Quality auf 80, das Bild ist hinterher 70 Prozent kleiner. Schön. Direkt danach probierst du dasselbe Foto als PNG, dort holt der Optimierer 12 Prozent raus, und das Ergebnis ist trotzdem deutlich größer als das JPEG. Beides ist Komprimierung, beides ist korrekt. Der Unterschied liegt darin, was die Verfahren wegwerfen dürfen. Wer das einmal verstanden hat, trifft die Format-Wahl nicht mehr per Bauchgefühl.
Was Verlust hier eigentlich bedeutet
Ein digitales Bild ist eine Tabelle von Pixeln. Jedes Pixel trägt drei Zahlen für Rot, Grün, Blau, manchmal eine vierte für Transparenz. Komprimierung sucht in dieser Tabelle Muster, die sich kompakter beschreiben lassen.
Verlustfreie Verfahren tun das ohne ein einziges Byte zu opfern. Die Original-Pixeltabelle lässt sich vollständig wiederherstellen, bit-identisch. PNG arbeitet so: es nutzt Filter, die Differenzen zu Nachbarpixeln berechnen, und packt das Ergebnis mit dem Deflate-Algorithmus, demselben, der hinter ZIP steckt. Wenn das Original wiederhergestellt wird, ist es bis aufs letzte Bit gleich. Daher heißt es lossless.
Verlustbehaftete Verfahren gehen einen anderen Weg: sie zerlegen das Bild in Frequenzen und werfen die hohen, fein-detaillierten Anteile gezielt weg. Das menschliche Auge nimmt diese Anteile am schlechtesten wahr. JPEG ist das klassische Beispiel, AVIF und WebP machen es im Default-Modus genauso. Aus 16 Millionen Pixeldifferenzen werden ein paar tausend Frequenzkoeffizienten, viele davon gerundet oder ganz verworfen. Das Bild lässt sich nicht mehr bit-genau rekonstruieren, aber dort, wo das Auge sowieso nichts gesehen hätte, ist der Verlust auch in der Anzeige unsichtbar.
Wo der Wendepunkt liegt
Die Frage ist also nicht, ob Verlust schlecht ist, sondern ob das, was verloren geht, sichtbar ist. Bei einem Foto mit Millionen feiner Farbverläufe (Sonnenuntergang, Porträt, Landschaft) sind die hohen Frequenzen Rauschen und Mikrokontrast. Die fehlen kaum jemandem. Eine Quality-Einstellung von 80 reduziert die Datei dabei locker auf ein Drittel, ohne dass im A-B-Vergleich Unterschiede auffallen.
Bei einem Logo mit großen einfarbigen Flächen und harten schwarzen Kanten ist genau das Gegenteil der Fall: dort sind die hohen Frequenzen die Kante. JPEG zerlegt diese Kante in Wellen und legt nach der Komprimierung Geisterbilder rund um die Buchstaben, die berüchtigten ringing artifacts. PNG dagegen hat es leicht: drei Farbflächen, ein bisschen Kante, das packt der Deflate-Block effizient weg, das Logo bleibt knackscharf und ist trotzdem klein.
Faustregel:
| Motiv | Empfohlenes Verfahren | Begründung |
|---|---|---|
| Foto, viele Farbverläufe | JPEG oder WebP (lossy) | hohe Frequenzen sind Rauschen |
| Screenshot mit Text | PNG oder WebP (lossless) | Text muss kantengenau bleiben |
| Logo, flache Farben | PNG oder SVG | wenig Bildinhalt, harte Kanten |
| Foto mit Transparenz | PNG (oder WebP lossy mit Alpha) | JPEG kann keine Transparenz |
| Animation | GIF (lossless) oder WebP/AVIF animated | je nach Browser-Support |
Die zweite, viel praktischere Frage
Wenn fest steht, dass das Motiv ein Lossy-Format verträgt, kommt sofort die nächste: wie weit darf die Quality runter? Die Antwort ist nicht 80 für alles. Sie hängt davon ab, wie das Bild später konsumiert wird.
Ein Hero-Bild auf der Startseite, das einen Bildschirm füllt, hat eine niedrige Toleranz: dort fällt jedes Artefakt auf. Quality 82 bis 88 ist hier der Sweet Spot. Ein Thumbnail in einer Listenansicht ist 200 Pixel breit, dort sieht ohnehin niemand mehr Mikrokontrast. Quality 65 bis 70 reicht, der Bildschirm-Output ist nicht zu unterscheiden. Bei Bildern auf Druckqualität (PDF, Print) ist die Skala umgekehrt: dort wird nochmal vergrößert und nachgeschärft, Artefakte werden mit-vergrößert. Mindestens Quality 90 oder direkt verlustfreies Format.
Was du mit dem Kompressor hier tatsächlich tust
Der Bild-Kompressor auf bild-komprimieren.de arbeitet im Browser, ohne dass das Bild den Rechner verlässt. Bei JPEG-Eingaben wird die Quality-Stufe neu gesetzt und das Bild als JPEG re-encoded. Bei PNG-Eingaben werden Filter und Deflate-Parameter neu durchprobiert, oft fällt eine Datei dabei ohne sichtbaren Verlust um 10 bis 25 Prozent. Wer den Quality-Slider trotzdem niedrig zieht, bekommt eine JPEG-konvertierte Version zurück, also Lossy. Das ist absichtlich so: für ein Foto, das vorher PNG war, ist JPEG fast immer das kleinere und passendere Format.
Eine letzte Sache, die in der Praxis oft schiefgeht: ein bereits komprimiertes JPEG nochmal zu komprimieren. Das bringt nicht nur wenig, weil die hohen Frequenzen bereits weg sind, es schadet sogar, weil die nächste Runde an einer schlechteren Datenbasis schneidet. Wenn du regelmässig Fotos für eine Website pflegst, lohnt es sich, die Master-Dateien einmal als PNG oder als hochqualitatives JPEG (Quality 95+) abzulegen und die ausgelieferte Web-Variante immer aus dieser Master-Datei abzuleiten.
Die kürzeste Entscheidungshilfe
Wer keine Lust auf eine Format-Diskussion hat, kommt mit drei Regeln durch:
- Foto? JPEG bei Quality 75 bis 85, oder WebP bei Quality 72 bis 80 (das ist eine andere Skala).
- Logo, Screenshot, Grafik mit Text? PNG, optimiert. Oder SVG, wenn die Quelle es hergibt.
- Transparenz nötig? PNG, oder WebP mit Alpha.
Damit sind 95 Prozent der typischen Bild-Probleme abgedeckt. Den Rest darf man bewusst entscheiden, weil dann auch klar ist, welcher Trade-off auf dem Tisch liegt.
Häufige Fragen
- Erkenne ich verlustbehaftete Komprimierung mit bloßem Auge?
- Bei JPEG-Quality 75 bis 85 in der Regel nicht, außer bei harten Kanten (Logos, Text auf Foto) und großen Farbflächen. Unter Quality 60 werden Block-Artefakte und Farbsäume an Konturen sichtbar.
- Verliere ich Qualität, wenn ich ein bereits komprimiertes JPEG erneut komprimiere?
- Ja. Jeder Speichervorgang in JPEG verwirft erneut Detailinformation. Aus diesem Grund die Master-Datei immer im verlustfreien Format (PNG, TIFF) aufbewahren und nur die ausgelieferte Kopie als JPEG speichern.
- Ist PNG immer besser als JPEG, weil es verlustfrei ist?
- Nein. Bei klassischen Fotos ist PNG je nach Motiv drei- bis zehnmal größer als ein gut komprimiertes JPEG, ohne sichtbaren Mehrwert. PNG glänzt nur dort, wo es exakte Pixel braucht: Logos, Screenshots, Grafiken mit harten Kanten oder Transparenz.
- Was bedeutet 'verlustfrei' bei WebP und AVIF? Sind das nicht Lossy-Formate?
- Beide Formate können beides. Die Default-Einstellung ist verlustbehaftet, weil das die kleineren Dateien produziert. Ein Lossless-Modus existiert in beiden Spezifikationen und wird gerade bei Screenshots oder Grafiken als Alternative zu PNG genutzt.